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Wirtschaft warnt vor Pleitewelle

26. September 2022

Steigende Preise, fehlendes Material und weniger Kunden: Immer mehr Unternehmen müssen Insolvenz anmelden. Die Zahl der Pleiten lag im August ein Viertel über dem Vorjahreswert.

Hohe Energiekosten machen der Industrie zunehmend Sorgen. Laut BDI bangt jeder dritte Betrieb um seine Existenz. Die Lage sei schlimmer als zu Corona-Zeiten, meldet das Handwerk.

Wirtschaft und Politik warnen angesichts explodierender Energiekosten vor einer Pleitewelle. In einer Studie des Industrieverbandes BDI heißt es, für 58 Prozent der Betriebe sei dies eine starke Herausforderung, für 34 Prozent gehe es um die Existenz. Letzteres hatten im Februar noch 23 Prozent gesagt.

Oft Produktion schon gedrosselt oder gestoppt

Fast jedes zehnte Unternehmen hat die Produktion schon gedrosselt oder sogar unterbrochen. Fast jede vierte Firma denke darüber nach oder sei bereits dabei, Unternehmensanteile oder Teile der Produktion sowie Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Der Präsident des BDI, Siegfried Russwurm, wünscht sich deshalb mehr Unterstützung durch die Ampel:

„Die Bundesregierung muss schleunigst ein Entlastungsprogramm für die Wirtschaft auf den Weg bringen.“ Siegfried Russwurm, BDI-Präsident

Auch im Handwerk spitzt sich die wirtschaftliche Lage laut dem Branchenverband ZDH dramatisch zu. Das betonte der Präsident des Verbandes, Hans Peter Wollseifer, in der “Rheinischen Post”.

„Im Handwerk rollt auf uns wegen der Energiekrise eine Insolvenzwelle zu.“ ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer

“Jeden Tag” erreichten den Verband “Notrufe von Betrieben”, fügte er in dem Interview hinzu, “die kurz davor sind, ihre Produktion einzustellen, weil sie die enorm gestiegenen Energierechnungen nicht mehr bezahlen können.”

Insolvenz-Gefahr größer als bei Corona

Die Dynamik bei Pleiten sei viel schlimmer als in den Hochphasen der Corona-Pandemie. Der Staat müsste jetzt besonders betroffene, energieintensive Betriebe direkt mit Härtefallhilfen unterstützen.

Das FDP-geführte Bundesjustizministerium plant kurzfristig Änderungen im Insolvenzrecht. “Von der Änderung werden Unternehmen profitieren, die im Kern gesund und auch langfristig unter den geänderten Rahmenbedingungen überlebensfähig sind”, sagte ein Sprecher. “Sie sollen Zeit gewinnen, um ihre Geschäftsmodelle anpassen zu können.”

Justizministerium will Insolvenzrecht anpassen

Die Spitzen der Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hatten sich am Sonntag auf Erleichterungen bei der Insolvenzantragspflicht geeinigt. Dies werde nun zügig umgesetzt, sagte der Sprecher des zuständigen Justizministeriums. Geplant sei eine zeitlich begrenzte Erleichterung bei der Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags wegen Überschuldung.

“Die Antragspflicht wegen Zahlungsunfähigkeit bleibt demgegenüber unberührt. Eine Überschuldung kommt nach geltendem Recht in Betracht, wenn der Fortbestand eines Unternehmens über einen Zeitraum von einem Jahr nicht mehr überwiegend wahrscheinlich ist”, sagte der Sprecher des Justizministeriums.

Auch Wirtschaftsministerium sieht ernstes Problem

Das von den Grünen geführte Wirtschaftsministerium warnte vor der Gefahr von “stillen Betriebsaufgaben”. Insolvenzen seien nicht das alleinige Maß – diese Verfahren dienten gerade dem Ziel, Betriebe zu erhalten. Es könnten aber auch Geschäfte einfach geschlossen werden, ohne einen Insolvenzantrag zu stellen, weil sie sich wegen zu hoher Kosten nicht mehr lohnten. Das sei vor allem für kleine und mittelgroße Firmen ein ernstes Problem.

Dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zufolge ist die Zahl der Firmenpleiten trotz Energiekrise, Lieferkettenproblemen und dem schrittweisen Auslaufen der Corona-Hilfen derzeit noch stabil.

„Das Insolvenzgeschehen zeigt sich noch immer erfreulich robust.“ Steffen Müller, Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften liege im Juni bei 709 und damit etwas unter den Vormonaten und nahezu exakt auf dem Vorjahresniveau. Doch die Belastungen für die Firmen würden nochmals deutlich zulegen. Dazu gehörten die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro im Oktober, die seitens der Europäischen Zentralbank eingeleitete Zinswende und weiter zu erwartende Preissteigerungen bei der Energie.

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